Notizen über den Kontrapunkt des Bewusstseins, Kapitel 16b im REM-Buch
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Der Aufprall der Realität. Notizen über den Kontrapunkt des Bewusstseins, Kapitel 16b im REM-Buch. 1 Seite.
Es gibt keine dummen Menschen. Es gibt nur Menschen, die dressiert sind, in einem linearen 3D-Raum ihre eigene Unfähigkeit zu lieben zu verwalten, während Erkenntnisse der Gleichzeitigkeit sie nicht erreichen.
Was im Alltag als intellektuelles Defizit oder mangelndes Vermögen etikettiert wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als das Resultat einer tiefgreifenden Konditionierung. Wer in einer mechanischen, fragmentierten Umwelt operiert, wird darauf trainiert, Trennung zu maximieren: die Trennung von anderen, vom eigenen Ursprung, vom unmittelbaren Fühlen. Diese Dressur funktioniert über das Einüben von Überlebenspanzern. Wer gelernt hat, sich gegen eine feindliche Umwelt abzuschirmen, muss die Fähigkeit suspendieren, die eigene Verbundenheit zuzulassen. Das entscheidende Nadelöhr dieser Verengung ist die Blockade der Gleichzeitigkeit. Das chronologisch gefesselte Bewusstsein verharrt in der sequenziellen Schleife von Ursache und Wirkung; wer darin gefangen ist, dem bleibt der Zugang zu jenen Feldern verwehrt, in denen alles gleichzeitig existiert.
Transformation, das Durchbrechen dieser Schleifen, geschieht jedoch nicht durch den mühsamen, aufreibenden Kampf gegen das Negative. Sie bedarf eines radikalen Hebels: der Abwicklung aller Negativismen über den Fundus der letztendlichen eigenen Unversehrtheit. Man setzt in diesem Prozess nicht bei der Verletzung oder dem Mangel an, sondern geht von der Prämisse aus, dass das eigentliche Selbst unberührt und unzerstörbar ist. Von diesem unerschütterlichen Nullpunkt aus blickt man auf das Drama zurück.
Die Realität, die diesem Zustand zugrunde liegt, ist dabei kein grauer, äußerer Ist-Zustand. Sie ist der Moment des Aufpralls: das Ende und der Zusammenstoß der eigenen Existenz mit dem Boden des geliebten Narrativs.
Narrative selbst sind wie lebendige Geschöpfe, die von Menschen in die Welt gesetzt werden. Sie gewinnen ein eigenes Leben, nähren sich von kollektiver Aufmerksamkeit und vergehen schließlich wie eine vergessene Mode oder ein verblasster Mythos. Ihr inhärenter Widerspruch zur rohen Realität sorgt dafür, dass sie sich letztlich selbst abschaffen. Der Aufprall auf den Boden der Tatsachen ist schmerzhaft, doch im günstigsten Fall bewirkt er genau jenes Erwachen, das die Fiktion hinter sich lässt.
Dialoge dieser Art, die sich jenseits von Dogmen und institutionellen Bühnen entfalten, finden heute rund um den Globus statt. Sie bilden den immerwährenden, leisen Kontrapunkt zu dem unermüdlichen Lärm der oberflächlichen Systeme, ein weltweites, unterirdisches Netz aus Geist und Resonanz für all jene, die den Aufprall hinter sich gelassen haben und beginnen, im echten Licht zu atmen.
Urheberschaft. Idee, Thesen und Formulierungen: Peter Riepe.